Erlebnisreiche Januarnächte in den Bergen
So wie das Jahr 2006 endete, so fing die Neumondzeit im Jahr 2007 an...mit klaren Himmel. Von zwei, d.h. eine hervorragende und zwei angebrochene Nächte möchte ich jetzt berichten.
Die erste halbe Nacht...
...fing viel versprechend an. Kein Schnee auch in Höhenlagen über 1000m und warme Temperaturen im Plusbereich ließen uns den Stammplatz in den Bergen immer noch erreichen, ungewöhnlich für die Jahreszeit. Gute Transparenz bei einer Grenzgröße von fst 6m7 ließen die teilweise heftigen Windböen ertragen. Mit von der Partie war Friedl, der den Wind wohl kommen sah und deswegen sein "bombenfesten" 10" Volltubus mitbrachte.
Zunächst versuche ich
mich wieder an der traumhaften Galaxie NGC 2403. Ziel der Begierde
waren mal wieder die HII Regionen, deren Beobachtung mich voriges Mal nicht
so recht zufrieden stellte. Und tatsächlich konnte ich bei hoher Vergrößerung
mit der Region 51 (VS65) eine weitere
HII Region identifizieren,
insgesamt mit dem 16" nun die achte. Region 52 und 17 blieben mir im
Gegensatz zur Beobachtung mit 24" verborgen.

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Weiter ging es mit Kugelsternhaufen in M 33. Nach Mochejska et al. konnte ich fünf Exemplare identifizieren, 21, 27, 40, 43 und 47, sowie den hellten Einzelstern V 83. Bei Vergrößerungen von 450x machte mir der immer stärker werdende Wind arge Probleme, weswegen ich die weitere Suche aufgab.
Nachdem wir im 10" noch den wunderbaren offenen Sternhaufen NGC 2266 und den Affenkopfnebel NGC 2174 beobachteten zogen Wolken rein, die Nacht war zu Ende.
Die zweite Nacht...
...wird zur besten im ganzen Winter. Windstille, Wochenende, Plusgrade und kein Schnee, besser geht es kaum. Die Transparenz ist hervorragend, die Grenzgröße geht stark auf die 7mag zu, ich schätze sie auf fst 6m9. Nebel im Tal hätte an diesem Tag wohl die magische 7 knacken lassen.
Zeit mit einem alten
Kandidaten abzurechnen, der mich schon mehrere Male an der Nase herum
geführt hat, der Eridanus Cluster. Dieser Kugelsternhaufen ist nach
AM 1, Pal 4 und 3 der am weitesten Entfernte Kugelsternhaufen. Ähnlich wie
Palomar Haufen ist dieser Haufen extrem schwach. Aber ich erwische ihn
dieses Mal. Zwar schwach, aber indirekt zu halten erscheint der Haufen etwa
1,5' groß, rund und zur Mitte leicht elongiert. nur 6' südlich befindet sich
eine schwache Sterngruppe, die leicht mit dem GC zu verwechseln ist.

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Ich bemerke bei der Beobachtung vom Eridanus Cluster recht gutes Seeing tief im Süden...genau richtig für Messier 77 und NGC 1055.
Starten tue ich bei
NGC 1055, der nur ein halbes Grad NW von M 77 steht. Eine wunderbare
edge-on Galaxie mit dominanten Staubband zeigt sich. Die hervorragenden
Bedingungen lassen sogar das nördliche Teil der Galaxie erkennen. Ein
wunderbarer Kontrast mit den beiden helleren 7mag Sternen wenige
Bogenminuten nördlich.

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Messier 77 ist
bei schlechten Bedingungen für Viele ernüchternd, außer dem hellen
Seyfart-Kern und dem umgebenden schwachen Halo zeigt sich kaum etwas. Ganz
anders bei guten Bedingungen und entsprechendem Seeing. Ich vergrößere 450x
und sehe auf Anhieb die Spiralstruktur im Inneren der Galaxie. Zwei Spiralen
drehen sich um den hellen Kern, wobei die südliche Spirale auf ein Knoten
läuft. Doch nicht nur im Inneren lassen sich Strukturen herausarbeiten. Für
mich unerwartet zeigt sich sogar im schwache Halo die beiden großen
Spiralen. Dezent, aber deutlich zu halten schweben sie über dem deutlich
helleren Kernbereich. Am deutlichsten ist der Westarm zu erkennen, da sich
dieser neben ein auffälligen Dunkelbereich zeigt. Nach weit über einer
Stunde reine Beobachtungszeit komme ich zum einstimmigen Ergebnis...die
Galaxie ist der Hammer.

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Zum Entspannen beobachte ich ein paar offenen Sternhaufen...eine Objektgruppe, die ich gern Aufmerksam schenke, einige Beispiele sind auch weiter unten zu sehen.
Neben den eher unauffälligen Kollegen NGC 2232 und 2250 zeigt sich Czernik 26 als echter Leckerbissen. Im 16" zeigt sich trotz hoher Vergrößerung kein Enzelstern, sondern nur ein etwa 3' großes, leicht körniges Schimmern. Dieser offenen Sternhaufen ist ein sehr reicher und benötigt besseres Seeing und größere Öffnung.
Nach den offenen Sternhaufen nun zwei extrem schwere Planetarische Nebel. Bei beiden hab ich unter ebenfalls guten Bedingungen schon negative Ergebnisse gehabt. Bei fst 6m9 müssen sie herhalten, jetzt oder nie...
...Herr Purgathofer
und Weinberger...kurz PuWe 1. Einer der größten Planetarischen
Nebel am Himmel ist gleichzeitig auch einer der schwächsten, leider. Zeigen
sollte sich theoretisch eine 20' im Durchmesser messende Blase...und
praktisch zeigt sie sich auch. Endlich, ich hab den Burschen. Beobachten tue
ich bei maximaler AP von 7,8mm, was am 16" eine Vergrößerung von 51x und ein
Feld von knapp 1,2° ergibt. [OIII] Filter ist auch Pflicht. Bei stehendem
Fernrohr ist kaum was vom PN zu sehen. Am ehesten ein etwas hellerer Bereich
im SW. Bei bewegtem Fernrohr muss aber die "Hosen runter lassen" und
zeigt sich als gar nicht so schwere, 20' große, runde Aufhellung. Dabei ist
er sogar so auffällig, dass ich ihn beim verlieren der Referenzsterngruppe
beim Schwenken wieder finde, genial.

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Ermutigt durch diese
Beobachtung versuche ich Abell 16. Um es kurz zu machen, auch dieser
PN ist zu sehen. Er zeigt sich bei 100x (AP 4mm) als sehr schwache, ca. 2,5'
große, runde Scheibe, die gleichmäßig ausgeleuchtet ist.

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Nach den schweren PN steht wieder eine Galaxie auf dem Programm, NGC 3115, die auch als Spindel Galaxie bekannt ist. Trotz der hohen Helligkeit von 9,1 vmag und schönen Lage habe ich diese Galaxie bis jetzt immer übersehen, was sich als Fehler herausstellt. Diese Galaxie ist hell genug um hoch vergrößert zu werden. Bei 450x zeigt sich dann eine 1:4 NO-SW elongierte Galaxie. Mittig ein helles Zentrum mit gerade verlaufenden Ausläufern. Eingebettet ist die Galaxie in ein schwaches Glimmen, was sie zusätzlich interessant macht.
Nun wieder zu den offenen Sternhaufen. Eigentlich hatte ich vor die Nacht langsam und "gemütlich" ausklingen zu lassen, aber es wurde zu meiner Überraschung noch mal hochspannend.
Angefangen bei NGC 2324, ein sehr reicher offener Haufen mit 8,4 vmag Helligkeit. Ich kann bei mittleren Vergrößerungen bereits etwa 40 Sterne aus dem nebligen Hintergrund zählen. Die Sterne sind allerdings recht schwach, ich schätze sie auf etwa 14-15mag, jedoch mit gleichmäßiger Helligkeit
In der Uranometria fällt mir in der Gegend eine Abkürzung "Bi" auf, was Biurakan heißt und einen Katalog von 13 offenen Sternhaufen beinhaltet. Aus reinen Neugier halte ich auf den ersten...
...Biurakan 13. Geblendet von einer nahe stehenden Sterngruppe schließe ich recht schnell mit dem OC ab. Doch dann fällt mir im Übersichtsokular ein sehr schwacher Schimmer auf. Etwa 4' groß und rund. Bei höherer Vergrößerung kommen immer noch keine Einzelsterne, an der Ostseite sind ein paar Vordergrundsterne zu sehen. Pohhh...was für ein Teil, alle Achtung, mal sehen was der...
...3,5° nördliche Biurakan 9 macht. Genial, ein etwa 4' großer, runder Nebel, welcher im Übersichtsokular schon gut durchkommt. Bei höheren Vergrößerungen löst sich das runde Wölkchen an. Es zeigen sich bei nebligen Hintergrund ein gutes Dutzend 15mag Sterne, aber hallo, was ist das denn für ein OC Katalog, 1,5° östlich befindet sich...
...Biurakan 10. Der zeigt sich etwas anders. Bei höherer Vergrößerung winden sich um ein 11mag Stern ein paar Sternketten, alles auf etwa 3' Größe. Sieht mal ganz anders aus, aber sehr interessant. 3° nördlich befinden sich Biurakan 11 und 12.
Biurakan 11 ist ein Mix aus 13 und 9. Auf einer Fläche von 3' zeigt sich ein körniger, runder Schimmer. Am Ostrand befinden sich ein paar hellere Sterne.
Biurakan 12 ist ein Stück hartnäckiger. Im Übersichtsokular (max. AP, 51x) sehe ich rein gar nichts. Die Stelle ist durch die Nähe von 7 und 9mag Sternen schwierig. Erst bei höherer Vergrößerung und einer AP von 4mm ist ein extrem schwacher Hauch zu sehen, der sich in der Nachbereitung der Beobachtung als richtig herausstellt. Wow...was für Haufen. Die Teilen haben "Palomar-Niveau".
Die dritte Nacht...
...bräuchte ich eigentlich nicht groß erwähnen. Spannendstes Detail war die überfrierende (stark ansteigende) Straße, die mich zwar den Platz hochkommen ließ, um ein Haar aber nicht mehr runter. Die Nacht ist feucht und kalt, die Durchsicht für den Platz nur mäßig. Ich schätze auf fst 6m5.
Die Plejadennebel geben bei schlechtem Seeing noch am meisten her, obwohl diese auch sehr empfindlich auf Durchsicht reagieren.
NGC 1435, der Meropenebel zeigt sich als dominanter Reflexionsnebel. Leicht gebogen ist dieser auf etwa 15' Größe zu verfolgen. NO von Merope zeigt sich der Reflexionsnebel als zwei scharfe und gut abgegrenzte Schalenstruktur.
IC 349 versuche ich bei dem schlechten Seeing nicht.
Schwieriger ist dort schon vdB 23, ein abgesetzter Teil 9' westlich von Alkyone. Der Reflexionsnebel zeigt sich als 3' runde Aufhellung in Mitten der hellen Plejadensterne.
Interessant ist immer wieder vdB 20, der sich wie eine Art dünner Schlauch bis ca. 10' östlich von Elektra zeigt. Ich kann den Nebel klar von den in gleicher Richtung stehenden Sternketten aus 13mag Sternen erkennen.
Relativ einfach und wohl nach NGC 1435 der einfachste Reflexionsnebel zeigt sich NGC 1432. Während sich auf der Westseite von Maja der Nebel gerade bei höherer Vergrößerung als spitzer Ausläufer etwa 4' nach Nord zeigt, laufen die schwächeren Teile erst breit ca. 8' nach Ost, bevor sie spitz auf Sterope und Asterope zulaufen.
Weiter mit ein paar offenen Sternhaufen. Interessant für mich wieder die Biurakan Haufen. Außer den beobachteten Haufen 9-12 stehen noch zwei weitere in dieser Himmelsregion.
Biurakan 7 ist bei exakter Kenntnis dessen Lage im Übersichstokular als kleiner, schwacher Fleck zu sehen. Bei AP's von 3-4mm blitzen dann aus dem nebligen Hintergrund 5 Einzelsterne heraus.
Biurakan 8 ist etwas auffälliger als die Nummer 7. Bereits bei 51x blitzen aus dem etwa 5' großen Nebel ca. 15 Sterne heraus. Bei höheren Vergrößerungen wirkt der Haufen körnig, kann aber nicht aufgelöst werden.
So weit Biurakan 4 von seinen Vorgängern entfernt ist, so unterschiedlich ist dieser auch. Bekannter unter der Bezeichnung Markarian 6 der SW Ecke vom Nebelkomplex IC 1805 (Herznebel) zeigen sich lediglich die 7'lange Sterngruppe aus 8 helleren (bis 11mag) und 8 schwächeren Sternen.
Plötzlich ziehen tiefe Wolken herein. Ich packe und versuche heil die völlig mit Eis überfrorene Straße heil runterzukommen, was mir auch ohne Einsatz von Schneeketten gelingt.