Vier Winter/Frühjahrsnächte in den Bergen
Der Februar zeigte sich auch in der Neumondphase im Februar 2007 ungewöhnlich gut. Kein Schnee, dafür klare, relativ warme Nächte, die schon erste Blicke weit in den Frühjahrshimmel ermöglichen.
Die erste Nacht...
...bereits am 9. zum 10. Februar ist mit Windstille und Temperaturen um die 0° angenehm. Die Durchsicht beläuft sich auf fst 6m8, leider spielt wie so oft das Seeing nicht mit und ist mit teilweise starken Schwankungen meist schlecht.
Erstes Objekt der
Begierde ist sind die Plejaden, die ich im Januar schon intensiv
beobachtet hatte, nun aber zeichnen möchte. Am hellsten natürlich der
Meropenebel NGC 1435, der sich von Merope weit nach Süden, aber auch mit schöner
Sägezahnstruktur nördlich von Merope bewegt. Sehr spannend sind die beiden
schmalen "Fahnen" östlich von Elektra, auch VdB 20 genannt, die zwar
schwach, aber dennoch klar hervortreten. Die nördliche davon ist dabei
deutlich heller und auffälliger. Noch auffälliger und wohl neben dem
Meropenebel hellster Reflexionsnebelanteil ist der etwas isoliert stehenden
VdB 23 westlich von Alkyone. NGC 1432 um Maja ist dagegen zwar
deutlich größer, aber außer dem hellern Bogen direkt NW schwer zu verfolgen.

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Das Seeing und die
günstige Stellung der Spikes bringt mich auf die Idee noch mal IC 349
zu versuchen, der nur etwa 0,5' südlich von Merope steht. Und tatsächlich,
bei 600x zeigt sich der Nebel als kleine Ausbuchtung im hellen Hof von
Merope. Wichtig hier...Merope aus dem Gesichtsfeld halten

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Friedl stellt bei sich im 16" Baade 1 ein. Der PN reagiert nicht all zu sehr auf [OIII] und ist bei dem Seeing als runde, gut definierte Scheibe zu sehen.
Hubbles Veränderlicher
Nebel NGC 2261 hat sich seit der letzten Beobachtung am 13.12.2006
verändert. Mir fällt jetzt ein nördlich abgesetztes Teil auf. Auch die
Einbuchtung von SW erscheint nicht mehr so kontrastreich, wie vor zwei
Monaten.
zur Zeichnung
Die Spindelgalaxie
NGC 3115 hat mich die letzte Nacht so beeindruckt, dass ich sie jetzt
zeichnerisch festhalte. Bei 277x erscheint ein großes Halo um die fast
strichförmig vom Kern ausgehenden Abschnitte. Die auf dem DSS nur sehr
schwach zu sehenden UGCA 200 ist zu meiner Verwunderung als schwache,
flächige Aufhellung zu sehen.

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Weiter zu einem PN,
Abell 29, ein relativ schwerer Abell, gerade wegen seiner tiefen
Stellung. Mit Friedl erarbeite ich mir den PN und sehen schließlich schwach,
aber sicher den SW Bogenabschnitt.

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Durch Zufall stellt Friedl genau wie ich auch geplant hatte einen der größten Planetarischen Nebel überhaupt ein, Longmore Triton 5 - kurz LoTr 5. Ich erwarte wenn überhaupt einen extrem schwachen Hauch um den mit 7,9mag relativ hellen Zentralstern. Doch Friedl ist schneller und sieht den PN sofort ohne größere Schwierigkeiten. Und tatsächlich, ein relativ einfach, indirekt ständig zu haltender, runder Hauch zeichnet sich ab. Und es zeigt sich noch mehr. Die Ausleuchtung der Scheibe ist nicht gleichmäßig und ich sehe mit Friedl ein helleres Teil von NO bis S und direkt im Westen.
Als Abschluss stellt Friedl noch mal Leo II ein, der relativ schnell als etwa runde Aufhellung mit maximaler AP zu sehen ist.
Die zweite Nacht...
...stellt den Anfang der Beobachtungssession am WE vom 16.02. - 18.02. ein. Friedl ist mal wieder Erster am Platz. Zusammen geht es bei etwas ungewöhnlichen, leichten Ostwind gegen 20.00 Uhr los, und zwar...
...mit SaWe 1, Cam C, PFP 1 und später Jacoby 1, alle samt große PN, die eine Gemeinsamkeit haben...ich sehe keinen von den PN...
Nicht ganz so erfolgreich in die Nacht gestartet, schauenen wir uns gemeinsam Frosty Leo bei knapp 430x an. Immer wieder meine ich den Proto-PN geteilt mit einem Helligkeitspeak zu sehen. das Seeing ist aber leider zu schlecht, um eine sichere Aussage zu treffen.
Die schwache Zwerggalaxie unserer Lokalen Gruppe Leo I ist dagegen eine Erholung, zwar nicht in Details, aber im Gesamteindruck. Zirka 20' nördlich von Regulus befindet sich der leicht elongierte Fleck, der sogar mit Regulus im Gesichtsfeld zu sehen ist.
Bei den Biurakan Sternhaufen fehlt mir noch Biurakan 3, oder auch als Markarian 50 bekannt. Unweit von NGC 7510 zeigt sich der offen Haufen als ein Viertelkreis bildende, 2' große Sterngruppe aus 11 Sternen. Hat irgendwas, auch wenn es schönere Haufen dieses Kataloges gibt.
Genug von PN und Sternhaufen...die Nacht soll auch im langsam aufkommenden Frühjahrshimmel ein paar Galaxien hergeben.
Angefangen wird mit ein paar schwachen Galaxien des Holmberg Kataloges...Holmberg 1, ein Begleiter der M 81 - Gruppe. diese Galaxie ist als extrem schwache Aufhellung ca. 2,5° NW von M 81 zu sehen.
Holmberg IV, ein vermutliches Mitglied der M 101 Gruppe, nur 1,3° WSW zeigt sich deutlich dankbarer als 3'x1' große Aufhellung. Problematisch zeigt sich dabei der nur 13' SW stehende 5,7mag Stern 86 UMa. Insgesamt aber eine der schönsten Holmberge - Galaxien.
NGC 3664 - Arp 5
ist wie alle Arp Galaxie ungewöhnlich und deswegen sehr reizvoll. Zwar mit
relativ geringer Flächenhelligkeit zeigt sich der dominate und geteilte
Balken mit schwachen, ca. 40" langen Ausläufer in Richtung SO.

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Enden tut die Nacht mit
einer ebenfalls ungewöhnlichen Hickson-Gruppe, Hickson 69.
Ungewöhnlich deswegen, weil die Hickson Gruppe eingerahmt von mehreren IC
Galaxien ist. So ähnelt der Haufen eher einem Galaxienhaufen ala Abell, als
einer kompakten Hickson Gruppe. Von der Hickson Gruppe sind dann auch alle 4
Einzelgalaxien zu sehen, wobei PGC 49499 (HCG 69D) direkt als
Helligkeitspeak auf der Galaxie UGC 8842 sitzt.

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In der dritte Nacht...
...sollen wieder etwas einfachere Objekte angefahren werden, war mir die vorige Nacht doch etwas zu "Schwachlichtlastig". Friedl ist diesmal nicht dabei...der Schnupfen hat voll zugeschlagen. Mir geht es zwar auch nicht gut und ganze Tempopackungen müssen dran glauben...bei so einem Himmel muss man aber Prioritäten setzen :-)) Manuel, ein Österreichischer Sternfreund mit 12,5" Ninja und ein Münchener Sternfreund mit 8" Newton sind aber auch am Platz. Die Nacht soll mit späteren fst 6m9 von der Durchsicht sehr gut werden. leider bringt der auf West gedrehte Wind wieder schlechtes Seeing mit.
Kurz nach Dämmerungsende versuche ich NGC 1325 A oder auch Holmberg VI bekannt. Obwohl der Spiegel noch nicht ausgekühlt ist und das Seeing bei der nur 5° über dem Horizont stehenden Galaxie mehr als schlecht ist, ist diese als relativ einfach wahrzunehmenden Galaxie gut als runde, zur Mitte hin konzentrierte Aufhellung zu erkennen.
Während mein Beobachtungsprogramm eher auf die späteren Nachtstunden ausgerichtet ist, dass Seeing eh nicht passt "surfe" ich ein wenig "planlos" am Himmel.
Bochum 3, ein Offener Sternhaufen zeigt sich als kleine "Bärentatze". 3 dichte Sterngruppe treffen sich in einem Punkt und sehen aus wie ein Klaue.
NGC 2311, ebenfalls ein Offener Sternhaufen enttäuscht ein wenig, es zeigt sich ein loser, kaum auffälliger Haufen mit etwa 3 Dutzend 13-14mag Sternen auf 4' Durchmesser.
Auch etwas enttäuschend ist V 614 Mon, ein Karbonstern, der aber nur eine leichte rötliche Färbung zeigt.
Ganz anders wie UU Aur, der mit ca. 6mag hell und sehr schön rötlich erscheint...ein echter Geheimtipp.
Genau wie NGC 2192. Im Übersichtsokular sitzt der Haufen als 3' kleines, körniges Wölkchen knapp südlich eines 7,7mag Sternes. Bei höherer Vergrößerung löst man den Sternhaufen komplett auf, es zeigen sich dann auf relativ engen Raum etwa 40 Sterne.
NGC 2346, ein PN macht bei dem schlechten Seeing kein Sinn. Mehr als eine kleine, elongierte Aufhellung ist nicht zu sehen.
Endlich zum Programm des Abends. Galaxien sind am Frühjahrshimmel angesagt.
NGC 3003 zeigt sich als 4:1 elongierte edge-on Galaxie mit markant, strukturiertem, länglichen Kernbereich. 2' westlich vom Kern befindet sich etwas abgesetzt eine Aufhellung, die wohl eine helle HII Region darstellt.
NGC 3893 zusammen
mit seinem Begleitern NGC 3896 und PGC 36913 überraschen mich
positiv. NGC 3893 zeigt bereits in der Übersichtsvergrößerung die markante
und gut durchgezeichnete Spiralstruktur, die bei höheren Vergrößerungen sehr
gut zu verfolgen ist, eine tolle Galaxie.

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Nicht weit davon sitzt die helle edge-on Galaxie NGC 3877. Mit 4' Länge ist sie im Kernbereich leicht strukturiert und läuft zu den Seiten unterschiedlich hell aus.
In der Gehend ist noch NGC 3726 zu erwähnen, die als dominaten Galaxie der Umgebung durchgeht. Hell und an der Nord- und Südseite mit Ansätzen der Spiralstruktur äußerst interessante Galaxie, der ich mehr Zeit hätte widmen sollen.
Arp 280 - NGC 3769 und 3769A sind dabei eher unauffällig. Der Begleiter NGC 3769A sitzt dabei sehr dicht am südöstlich Ende der Hauptgalaxie NGC 3769.
Leo I zeigt sich auch im 12,5" Dob als auffällige Aufhellung nördlich von Regulus.
Ich habe Lust auf Messiergalaxien, denen ich mich ab und zu intensiv widme und die dabei oft mehr zeigen, als man denkt und als man erwartet.
Messier 95, bzw. dessen Details sind sehr dezent. Nördlich und Südlich des Zentrums befinden sich dunklere Bereiche, die die umschlossenen Bereiche um den Balken darstellen. Viel größer als der helle Kernbereich ist das große Halo, was visuell auf 6'x3,5' zu verfolgen ist. Eine Zeichnung verkneife ich mir aufgrund des schlechten Seiings.
Anders als bei
Messier 96, wo sich die Strukturen auf größere Bereiche erstrecken. Die
auf den ersten Blick homogene Helligkeitsverteilung ändert sich schnell. Zu
erst zeigt sich ein Dunkelbereich, der sich vom Westen nach Nordwesten um
den Kernbereich zieht. Ein schwacher Spiralarmansatz zeigt sich vom Nordost
in Richtung Südost drehend.

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Das immer noch relativ schlechte Seeing verlangt nach den beiden hellen Messiergalaxien großflächige Herausforderungen.
Holmberg VII bietet sich an und zeigt sich bei 100x als sehr schwache 3:2 NW-SO elongierte Aufhellung, die indirekt nur schwer zu beobachten ist.
Anders wie Holmberg VIII, die als vermutlicher Zwerg der 23' nördlicher stehenden Seyfert Galaxie NGC 5033 gilt. So zeigt sich Holmberg VIII dann als einfach sichtbare, strukturlose 1,5' große Aufhellung.
Die Antennengalaxien NGC 4038/4039 zeigen sich bei schlechtem Seeing wenig strukturiert. Zwar ist der dunkle Bereich von NGC 4038 zu sehen, die sonst sichtbare Struktur in den Hauptkörpern bleibt aber verborgen.
So klingt die Nacht mit ein paar weiteren Highlights wie M 81 mit auffällig hellen äußeren Spiralarmen, M 51 und M 101 aus.
Die vierte Nacht....
startet mit dem sehr reichen Offenen Sternhaufen NGC 1245. Für 16" Öffnung fast schon ein Tick zu "offen" zeigen sich auf runden 8' Durchmesser etwa 90 Einzelsterne. Im 8"-12" sicher eine absolute Augenweide.
Anders zeigt sich da der Offene Sternhaufen NGC 1193, der sich als der schönste der 4 Nächte herausstellt. Im Übersichtsokular als völlig strukturlose, 2' kleine, runde Wolke mit einem durchblitzenden Stern zu sehende Erscheinung wechselt der Sternhaufen bei höherer Vergrößerung sein Charakter. Nun blitzen etwa ein gutes Dutzend Sterne aus dem immer noch nebligen Hintergrund heraus...ein toller Anblick.
Das in der Nähe stehenden Galaxienpaar NGC 1160/1161 zeigt sich als relativ unscheinbares Paar. Während NGC 1161 als eine helle, N-S elongierte Galaxie zu sehen ist, zeigt sich NGC 1160 als flächenschwächere und größere Galaxie.
Als Ausgangspunkt für die nächsten Objekte stolpere ich über den etwa 3,1mag hellen Alpha Lynx, der sich als auffällig roter Stern zeigt.
Nicht ganz so spektakulär zeigt sich das Galaxientrio NGC 2778/2779/2780. NGC 2779 sitzt dabei als Begleiter von NGC 2778 nur ca. 2' Nordöstlich. Einige Bogenminuten weiter Südöstlich sitzt die unscheinbare NGC 2780.
Spannender erscheint da Leo III (Leo A). Überraschend einfach zeigt sich diese Zwerggalaxie als 3'x2' Ost West elongierte Galaxie mit gleichmäßiger Helligkeitsverteilung.
Letztes, aber auch
spannendstes Objekt stellt der Insektennebel NGC 2440 dar. Die vorige
Nacht schon länger beobachtet, wegen schlechtem Seeing aber abgebrochen,
gestattet das Seeing jetzt Vergrößerungen von 450x. Mit [OIII] kann man den
PN mehr als ungewöhnlich bezeichnen. An ein hellen, U-förmigen
Zentralbereich sitzt in Richtung SW und NO dicht zwei weitere Segmente. Ein
weiteres Segment befindet sich völlig abgesetzt vom PN Körper in Richtung
Südwest. Vom Hauptkörper ausgehend deuten sich noch zwei schwache, dünne
Segmente (Fahnen) in Richtung Nord und West an.

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Die Nacht beende ich, um noch ein paar wenige Stunden Schlaf abzubekommen. Es gehen 4 hervorragend transparente Nächte in der Neumondzeit im Februar vorbei.